10 Wünsche der Kinder

Literatur: Claus Dieter Kaul (2000)

Die 10 Wünsche unserer Kinder

Kinder  
Haben Wünsche  
An uns Erwachsene 
Wir müssen Sie beachten  
Vertrauen

Claus Dieter Kaul

1. Schenkt uns Liebe

Beobachtet man Erwachsene zeigen sich oft gleiche Verhaltensmuster im Umgang mit Kindern. Liebe geben wird gleichgesetzt mit einem Geschenk, das aus Geld oder anderen materiellen Dingen besteht. Zudem knüpfen viele Erwachsene Bedingungen an das Geschenk: „Wenn du deine Hausaufgaben gemacht hast, darfst du spielen gehen“. Dieses Verhalten wird vom Kind übernommen – es stellt gleichsam seine Bedingungen: „Wenn ich in der Schule gut bin, bekomme ich ein Playmobilauto“.

Dem Kind wird unbewusst vermittelt, dass Liebe gekauft werden kann oder gleichzusetzen ist mit irgendwelchen Gegenständen. Dann üben sie vielleicht jede Arbeit und sogar das Spiel nur noch dazu aus, um Beachtung zu finden. In der Montessori Pädagogik geht es viel mehr darum, dem Kind Zeit und Zuwendung zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Nur so ist es ihnen möglich, das Spiel und die Arbeit für ihre persönliche Vervollkommnung und für ihre eigene Entwicklung zu nutzen.

2. Achtet auf uns
Wir Erwachsenen machen uns viele theoretische Gedanken darüber, was das Kind alles lernen kann. Dabei ist es viel wichtiger, den Kindern nicht ständig unsere Ziele und Erwartungen vorzugeben, sondern uns genügend Zeit zu nehmen, sie zu beobachten und dabei von ihnen zu lernen. Das heißt, wir sollten die Kinder sehen, wie sie sind und nicht, wie wir sie haben wollen. Für uns ist die Fähigkeit zu beobachten eine wahre Kunst – nämlich den Drang zu unterdrücken, sich in die kindlichen Prozesse einzumischen oder diese gar zu beschleunigen zu versuchen.
3. Macht uns nicht, sondern lasst uns werden
Was können wir Erwachsenen tun, damit das Kind seine Anlagen und „Vorprogrammierungen“ so einsetzt, dass es sich gut entwickeln kann? Dazu ist es notwendig, dass wir ihnen zu Hause, im Kindergarten und in der Schule eine reichhaltige, vielseitige und ganzheitliche Umgebung gestalten.
4. Begleitet uns

Mit der Montessori Pädagogik ausgedrückt heißt dieser Leitsatz:

„Hilf mit es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es selbst tun. Hab aber auch Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Bitte beobachte mich nur und greife nicht ein. Ich werde üben. Ich werde meine Fehler, die ich mache, erkennen. Das Material zeigt sie mir selbst.“

5. Lasst uns Fehler machen

Maria Montessori drückt dies folgendermaßen aus:

„Wonach suchen wir denn wirklich beim Kind? Fast immer sind wir auf der Ausschau nach Fehlern – nicht nur nach denen, die das Kind gemacht hat, sondern auch nach denen, die es machen könnte. Das Einzige, was wir wirklich tun müssen, ist unsere Grundhaltung gegenüber dem Kind zu ändern und es zu lieben, mit einer Liebe, die an seine Personalität glaubt und daran, dass es gut ist. Die nicht seine Fehler, sondern seine Tugend sieht, die es nicht unterdrückt, sondern es ermutigt und ihm Freiheit gibt.“

Viele Erwachsene glauben, dass sie eine wichtige Unterstützung für das Kind sind, indem sie auf ihre Fehler aufmerksam machen, oder sie beheben. Meistens greifen sie schon vorher ein, damit die Kinder erst gar keine Fehler machen können. Kinder, die von solch ehrgeizigen Erwachsenen unterrichtet werden, entwickeln schnell Minderwertigkeitsgefühle. Und so kommt es oft vor, dass Kinder sagen: „Ich kann das nicht“, auch bevor sie eine Arbeit begonnen haben. Kinder müssen Fehler machen dürfen!

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6. Gebt uns Orientierung
Um diesem Kinderwunsch gerecht werden zu können, brauchen wir Erwachsenen zunächst einmal Orientierung in der Erziehung. Es herrscht immer wieder Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit bei den Erwachsenen, aufgrund der Fülle von Ratgebern und Tipps zum Thema Erziehung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns Klarheit verschaffen, bezüglich der Richtung, die wir gehen wollen. Die Klarheit und Struktur des Montessori Materials kann eine echte Orientierungshilfe sein. Das Kind lernt nicht bloß rechnen, lesen und schreiben, sondern begreift über das Material die Beziehung der Dinge zueinander und kommt somit zu einem echten Verständnis des Ganzen und seiner vielfältigen Ausprägung.
7. Setzt uns klare Grenzen

Oft fällt es uns schwer klare Grenzen zu setzen, aus Angst, lieblos, streng und autoritär zu wirken und damit selbst auch weniger Anerkennung zu finden. Mit dieser Orientierungslosigkeit entsteht aber eher ein emotionales Durcheinander von Nichtachtung der gegenseitigen Bedürfnisse. Für Kinder ist es wichtig, dass wir Erwachsenen akzeptieren, dass ihnen Grenzen oft nicht gefallen, sie jedoch ihre Gefühle zum

Ausdruck bringen dürfen – sei es durch Schimpfen oder Weinen. Gleichzeitig erfahren sie, dass Grenzen fest sind und weder durch Proteste noch Weinen verschwinden. Schließlich müssen sie spüren, dass wir auch in schwierigen Situationen bei ihnen sind und dass wir sie lieben, auch wenn wir sie etwas nicht tun lassen, dass sie gern möchten. Kinder brauchen Grenzen, um in Frieden heranwachsen zu können. Wenn wir Erwachsene es wagen, auf klare aber respektvolle Weise Grenzen zu setzen, dann ist das eine Wohltat für alle.

8. Seid zuverlässig
Kinder brauchen feste, stabile, sichere und vertrauensvolle Beziehungen. Kindern ist es wichtig, dass bestimmte Aktivitäten im gleichen Zeitrhythmus stattfinden. Rituale sollen immer wieder in Regelmäßigkeit stattfinden. Auf dieser Weise begleiten wir das Kind auf dem Weg zu seiner Selbstfindung.
9. Zeigt eure Gefühle
Eine gute Erziehung hat ganz viel mit Gefühlen zu tun. Für die Erwachsenen bedeutet dies, dass wir uns mehr Gedanken über die Gefühle der Kinder machen müssen und versuchen sollen, uns in diese hineinzufühlen, Kinder zu trösten und anzuleiten. Genauso wichtig ist dabei das Vorbild im Umgang mit den eigenen Gefühlen. Dies bedeutet, dass wir lernen sollten, Gefühle wie Wut, Trauer und Angst als einen Teil unseres Lebens anzunehmen und emotionale Spannungen als Chance zu sehen. Wir müssen unseren Kindern mit emotionaler Intelligenz begegnen, auf die Gefühle der Kinder eingehen, dabei auch eigene Gefühle zeigen und den Kindern die Möglichkeit bieten, mit den unangenehmen Gefühlen umzugehen.
10. Lasst die Freude leben
Lachen ist gesund! Lasst euch von den Kindern dazu anstecken. Humor kann Fühlen und Denken, Vernunft und Fantasie wieder ins Gleichgewicht bringen.