Tag der offenen Tür des Montessorizentrum Offenburg

Der Tag der offenen Tür des MZO stand schon gleich zur Öffnung um 10:00 Uhr unter guten Voraussetzungen: strahlendblauer Himmel und angenehm warme Temperaturen luden gerade dazu ein, das lichtdurchflutete Gebäude heute zu besichtigen. Schon vor der Mittagszeit waren die Räume voller Interessierter, nicht nur Eltern und Angehörige kamen, sondern vor allem interessierte zukünftige Eltern, Fachkräfte aus anderen Einrichtungen, Nachbarn und viele mehr. Das kulinarische Angebot, die wunderschön gestalteten Objekte des Frühlingsmarktes sowie das Anmeldeangebot für die Workshops taten ein Übriges, um viele Besucher anzulocken. Einige Erzieher aus anderen Einrichtungen zeigten sich über die Offenheit und Fachkenntnisse der anwesenden Fachkräfte sehr beeindruckt und der ein oder andere meldete sich auch gleich bei einer der Workshops an. Das man bei Anmeldung an diesem Tag das Mittagessen gratis bekommt, war dabei nur ein kleiner positiver Nebeneffekt; vielmehr schienen sich alle für das Konzept der Montessoripädagogik und vor allem für die gelingende Umsetzung zu begeistern.
Der Frühlingsmarkt gleich im Eingangsbereich hatte auch dieses Mal ein vielfältiges Angebot; so gab es über selbstgebautes Montessori-Rechenmaterial, Osterkränze, Osterhasen aus Holz, Blumengestecke, bis hin zu selbstgenähtem Spielmaterial für die Kinderküche oder den Kaufladen allerlei zu erwerben. Zu erwähnen ist hierbei, dass diese Dinge alle von den Eltern des MZO’s selbst gefertigt wurden.
Das Mittagessensangebot erfreute sich genauso großer Beliebtheit wie das üppige, von den Eltern gemachte Kuchenbuffet. Die Tische im Speisesaal waren zu jeder Zeit gut besucht und alle ließen sich das leckere Essen und die große Auswahl an Kuchen schmecken.

In der Krippe konnte man sich die Räume in aller Ruhe anschauen; die Erzieherinnen aus diesem Bereich standen selbstverständlich für alle Fragen bereit und erklärten gerne den Ablauf eines Krippenalltags sowie alles andere Wissenswerte. Einige der Kinder, die das MZO schon besuchen, zeigten auch gleich ganz in „live“ ihren Eltern und den Anwesenden, wie man hier den Tag verbringt – ob am Esstisch oder im Bällebad. Wem das noch nicht anschaulich genug war, der konnte sich im Nebenraum einen Film über die täglichen Aktivitäten der Krippenkinder ansehen.
Im Kinderhaus gab es ebenfalls Filmsequenzen, die vor allem die Übungen des täglichen Lebens zeigten und wie sich schon die drei- bis sechsjährigen an rechnerische Arbeiten herantrauen und erfolgreich bewältigen. Auch hier zeigten einige Kinder die Arbeiten gleich in Aktion und bekamen so viele Zuschauer an ihre Seite. Wer Lust hatte, durfte auch, passend zur Jahreszeit, einen Osterhasen oder eine Tulpe basteln. Schön zu sehen war die Umsetzung der Jahreszeit auch in einzelnen Arbeiten; so konnten kleine Plastikostereier mit Hilfe einer Zange umsortiert oder eben verschiedene Schneideübungen in Form von Osterbasteleien ausgeführt werden. Die Fachkräfte des Kinderhauses stellten sich den Fragen der Anwesenden und erklärten das Konzept der Montessoripädagogik sehr anschaulich.
Im Flur konnte man sich anschaulich den Werdegang des Vereins sowie die Entstehung des jetzigen Zentrums anhand einer Lebenskette ansehen. Durch aufgefädelte Perlen, die den Lebensmonaten und –jahren entsprechen, sah man sehr eindrücklich, wieviel Ereignisse und Entscheidungen zu einer solch großen und umfassenden Einrichtung geführt haben.
Die Auszubildenden und Praktikanten des Teams betreuten die sehr beliebte Mitmachaktion; hier konnten alle Kinder verschiedenste Dinge basteln, malen, kleben, uvm. Es gab Ostereier zu gestalten, Frühlingsmandalas zum Ausmalen, Hasen aus Wolle, Pilze aus Filz, Schmetterlinge… Der Raum war von Beginn bis Ende ein sehr beliebter Sammelpunkt für die Kinder und die jungen Frauen hatten alle Hände voll zu tun.
In der Kooperationsgruppe für die Kinder, die im nächsten Jahr die Schule besuchen werden, gab es anhand von aufgebauten Materialien viele Einblicke und Informationen rund um’s Thema Übergang Kinderhause-Grundschule. Auch hier standen den interessierten Besucher jederzeit die Fachkräfte Rede und Antwort.
Im Raum der Montessori-Therapie war Sybille Flach, Montessori-Therapeutin und Feldenkraispädagogin, anwesend und gab bereitwillig Auskunft über ihr Angebot. Wichtig zu erwähnen ist ihr, dass dieses Therapieangebot freiwillig ist und aufgrund von Lehrerempfehlungen und nur in Absprache mit den Eltern erfolgt. Kinder können diese Therapie in Anspruch nehmen, wenn sie in einem oder mehreren Bereichen besonderen Förderbedarf haben, es ersetzt bzw. ist allerdings keine Nachhilfe im herkömmlichen Sinn. Vielmehr soll es die Kinder dazu anregen, mit Lust und Freude wieder zu lernen. Frau Flach sieht die Montessoripädagogik als Lehre des Lernens für das Leben; daher ist auch ihre einmal wöchentlich stattfindende Therapie eine Unterstützungsmöglichkeit für das Leben der Kinder. Die Eltern können dabei jederzeit anwesend sein, um Mitzulernen und den Transfer in das Zuhause der Kinder noch optimaler gestalten zu können. Auch die gute Beziehung zu den Eltern kann so verstärkt werden. Sehr wichtig ist das Anknüpfen an das Interesse der Kinder, nur so gelingt eine bestmögliche Unterstützung und der Transfer in andere Bereiche. Die Therapie ist für die Kinder der gesamten Einrichtung zugänglich; da Frau Flach ebenso Feldenkraispädagogin ist, ist Motorik ein wichtiger Anhaltspunkt in ihrer Therapie, was das Schreiben ebenso wie die Bewegung umfasst. Detailliertere Informationen können im Flyer nachgelesen oder bei ihr persönlich angefragt werden.
Eine sehr beliebte Aktion jedes Jahr ist das gläserne Klassenzimmer; dies fand dieses Jahr zwei Mal statt. Jeweils eine Stunde lang konnten sich die interessierten Zuschauer eine echte Unterrichtseinheit Freiarbeit ansehen und beobachten, wie und an was im Schulalltag gearbeitet wird. 8 Kinder arbeiteten an verschiedensten Aufgaben, wie beispielsweise das Kubieren, bei dem man Würfel baut und so erfährt, wie man mit Zahlen quadriert. Das bunte Perlenmaterial kam ebenso zum Einsatz wie eine Waage mit Gewichten oder Karten zum Ordnen einer Geschichte. Die Kinder konnten mit Hilfe einer Wäscheklammer signalisieren, wenn sie bei ihren Aufgaben Unterstützung von einer der beiden Lehrkräfte benötigten; diese wird an einem bestimmten Platz befestigt, so dass die Lehrer nicht unterbrochen werden, während sie gerade bei einem anderen Kind sind. Die Arbeiten wurden an ganz unterschiedlichen Plätzen ausgeführt, an Tischen oder mit Teppichen auf dem Boden. Ergebnisse der Arbeiten wurden teilweise auch in Hefte übertragen und von den Lehrkräften, aber auch den Kindern selbst überprüft. Die ganze Zeit über waren die Kinder hochkonzentriert am Arbeiten. Selbstverständlich holten sie sich aber auch benötigtes Material selbst, machten eine Trinkpause oder auch eine kurze Ruhephase. Prinzipiell sind immer Pausen möglich und auch das Frühstück ist für alle Kinder frei während einer bestimmten Tageszeit zur Verfügung gestellt.
Dieses selbstständige Arbeiten in einer sehr angenehmen Ruhe war für alle Zuschauer etwas Besonderes, selbst von den anwesenden Gästen ließen sich die Kinder nicht aus der Ruhe bringen.
Die Freiarbeit umfasst natürlich nicht nur die genannten Aufgaben, es können vielfältige Bereiche in dieser Zeit bearbeitet werden. Zudem wird nicht nur in einem Klassenzimmer gearbeitet, sondern es wird auch der Flur oder andere zur Verfügung stehenden Räume mitgenutzt, so dass jeder den Raum und den Platz erhält, den er benötigt. An einem Schultag gibt es aber nicht nur die Freiarbeit, es wird auch klassisch in einem Heft gearbeitet oder Religion und weiteres aus dem Lehrplan unterrichtet. Zurzeit gibt es zwei Klassen á 25 Schüler.
Den meisten Interessierten war es ja schon zuvor bekannt und wurde am heutigen Tag auch noch mal offiziell von Frau Brettschneider und Herrn Wilhelmi vorgestellt; es wird nicht bei der Grundschule bleiben, vielmehr könnte sogar schon ab September 2019 die Sekundarstufe der Montessorischule starten. Im Moment gibt es schon einige potentielle Familien bzw. Kinder, um tatsächlich starten zu können, bedarf es mindestens 6 Schüler. Zurzeit laufen zum einen die intensiven Gespräche mit dem Schulamt, um die gesetzlichen Vorgaben zu klären bzw. wie diese erfüllt werden können, zum anderen werden natürlich für die benötigten Lehrerstellen die enstprechenden Personen gesucht. Durch die aktuell laufenden Stellenangebote ergaben sich schon einige Bewerbungen, interessanterweise auch von Gymnasiallehrkräften, aber bisher fehlt es noch an einem oder mehreren Lehrkräften, die bereit und motiviert sind, das Gesamtkonzept mit aufzubauen. Aber die Hoffnung ist da, so jemanden zu finden. Für die Stellenbesetzung ist das Montessori-Diplom nicht ausschlaggebend, man sollte aber natürlich bereit sind, dies nachzuholen.
Sollte die erste Klassenstufe 5 tatsächlich im September schon starten, ist die Überlegung, diese im aktuellen Kosmos-Raum starten zu lassen und eventuell einen Container zur „Auslagerung“ des Ateliers bereit zu stellen.
Der Zugang zur zukünftigen Gemeinschaftsschule steht dann natürlich auch den Kindern zur Verfügung, die bisher noch nicht im Montessorizentrum betreut werden. Pro Jahrgang sieht eine Gemeinschaftsschule eigentlich 25 Schüler vor; dies ist mit dem Regierungspräsidium noch nicht abschließend geklärt, wie viele Schüler tatsächlich aufgenommen werden. Auf jeden Fall steht dem Montessorizentrum Offenburg hier noch eine spannende Zeit bevor!
Abschließend lässt sich auf eine sehr schöne, vielfältige, interessante und lehrreiche Veranstaltung zurück blicken, die die Gäste vor allem auch im Außenbereich bei herrlichem Wetter genossen haben. Ein herzliches Dankeschön den vielen Helfern und dem Organisationsteam, den Mitarbeitern und dem Vorstand und allen, die interessiert und offen der Einrichtung und den neuesten Entwicklungen gegenüberstehen.